Resolution: Frauen in der Corona-Krise – Geschlechtergerechtigkeit muss auch in Krisenzeiten selbstverständlich sein!

Veröffentlicht am 13.08.2020 in Allgemein

Resolution der AsF Pankow

"Frauen in der Corona-Krise – Geschlechtergerechtigkeit muss auch in Krisenzeiten selbstverständlich sein!"

Die KDV möge beschließen:

Die Corona-Pandemie beeinträchtigt das Leben aller Menschen. Viele leiden unter gesundheitlichen, wirtschaftlichen oder privaten Einschränkungen. Dennoch sind nicht alle gleich stark betroffen. Die Pandemie belastet vor allen viele Frauen überproportional stark.  Die Soziologin Jutta Allmendinger spricht angesichts der Corona-Krise von einem „Rückfall auf eine Rollenteilung wie zu Zeiten unserer Großeltern“ und einer „entsetzlichen Retraditionalisierung“.[1]

Soweit darf es nicht kommen! Deswegen fordern wir, dass bei allen politischen Entscheidungen zur Bewältigung der Krise der Aspekt der Geschlechtergerechtigkeit berücksichtigt wird. Außerdem muss die strukturelle Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern konsequenter als bisher bekämpft werden. Nur so kann erreicht werden, dass es in Krisensituationen keine gravierenden Rückschritte gibt.

 

Frauen auf dem Arbeitsmarkt

Viele Frauen konnten lange nicht oder nur sehr eingeschränkt arbeiten, weil der größte Anteil der Sorgearbeit (Kinderbetreuung, Heimunterricht, Pflege) von ihnen übernommen wurde. Über 20 % der Mütter haben ihre Arbeitszeit in den letzten Monaten reduziert, die sowieso schon kürzer als bei den Männern ist.[2] Besonders Frauen mit ohnehin niedrigem Einkommen trifft diese Situation hart. Viele Frauen müssen außerdem aufgrund der langen Abwesenheit vom Arbeitsplatz mit Problemen in ihrer beruflichen Entwicklung rechnen. 

Erschwerend kommt hinzu, dass in vielen Formen prekärer Beschäftigung mehr Frauen als Männer arbeiten (z. B. Minijobs). Sie sind in der Krise nun kaum vor Kündigung geschützt Außerdem waren bestimmte Branchen wie das Gastgewerbe, in denen Frauen überproportional vertreten sind, stärker betroffen vom Lockdown betroffen als z. B. die Produktion. Deshalb steigt die Arbeitslosigkeit bei Frauen derzeit stärker als bei Männern.[3]

Deshalb setzen wir uns für folgende Punkte ein:

  • Sämtliche staatliche Maßnahmen wie Rettungspakete, Konjunkturprogramme und Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung nach der Wirtschaftskrise müssen den Aspekt der Geschlechtergerechtigkeit berücksichtigen (Stichwort: Gender Budgeting)
  • Die Rückkehr zum Regelbetrieb in Schulen und Kitas muss, unter den gebotenen Sicherheitsvorkehrungen, höchste Priorität haben.
  • Homeoffice kann für Familien eine gute Entlastung sein. Es darf aber kein Ersatz für Bildungs- und Betreuungsangebote werden.
  • Jobcenter und Arbeitsagentur müssen zielgruppenspezifische Beratungsangebote für Frauen schaffen, die in der Krise ihren Job verloren haben.  
  • In Branchen mit überproportional vielen prekär Beschäftigten (z. B. Gastgewerbe) muss es langfristig eine bessere soziale Absicherung geben.

Frauen in systemrelevanten Berufen

Während der Corona-Krise wurde der Begriff „Systemrelevanz“ von Berufen geprägt. Wie eine Untersuchung des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung aus dem Juni 2020 zeigt, ist der Frauenanteil in diesen Berufsgruppen weit überdurchschnittlich. Gleichzeitig sind Entlohnung und Sozialprestige deutlich unter dem Durchschnitt.[4]

Während der Krise ist für jeden noch deutlicher geworden, was z. B. in der Krankenpflege, der Jugendhilfe, dem Erziehungssektor, aber auch im Einzelhandel oder von Reinigungsdiensten geleistet wird. Diese Menschen haben einen entscheidenden Anteil daran, dass wir bisher verhältnismäßig glimpflich durch die Krise gekommen sind.

 Deshalb setzen wir uns für folgende Punkte ein:

  • Systemrelevante Berufe verdienen höhere Anerkennung – das bedeutet vor allem auch bessere Bezahlung.
  • Die Arbeitsbedingungen in diesen Berufen müssen deutlich verbessert werden. Das betrifft die Arbeitszeitgestaltung, Maßnahmen zum Arbeitsschutz, berufliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten, Vereinbarkeit von Beruf und Familie etc.
  • Prämien für die Leistungen während der Corona-Krise müssen fair verteilt werden. Regelungen, bei denen einzelne Gruppen komplett leer ausgehen, wie es sich gerade bei großen Teilen des Krankenhauspersonal abzeichnet, wirken demotivierend und kontraproduktiv

Frauen in Notsituationen

Die Corona-Krise hat besonders Menschen hart getroffen, die vorher schon unter sehr schwierigen Bedingungen leben mussten. Das trifft gerade auch auf Frauen zu.

In einer repräsentativen Befragung von Forscherinnen der Technischen Universität München und des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung von Mai 2020 berichten 3,1% der befragten Frauen von körperlichen Auseinandersetzungen mit ihrem (Ehe-)Partner innerhalb des letzten Monats. In 6,5% der befragten Haushalte kam es zu körperlicher Bestrafung eines Kindes. Die Gefahr war bei Personen in häuslicher Quarantäne deutlich höher. Auch finanzielle Sorgen stellten einen besonderen Risikofaktor da. Hilfsangebote wurden überwiegend nicht in Anspruch genommen.[5]

Menschen, die von körperlicher und psychischer Gewalt im eigenen Zuhause betroffen sind, befinden sich in einer besonderen Notlage. Diese wird häufig durch Depressionen und andere psychische Probleme sowie die Angst vor drohender Wohnungslosigkeit verstärkt. Hier muss unsere Gesellschaft sensibler werden und rechtzeitig leicht zugängliche Hilfsangebote unterbreiten.

  • Wer von häuslicher Gewalt betroffen ist, muss schnell und unbürokratisch Zufluchtsmöglichkeiten haben. Deshalb müssen z. B. die Angebote von Frauenhäusern ausgebaut werden.
  • Wenn hier die Kapazitäten nicht ausreichen, müssen kurzfristig auch andere Unterbringungsmöglichkeiten, z. B. in Hotels oder Ferienwohnungen finanziert werden.
  • Beratungs- und Unterstützungsangebote für Opfer häuslicher Gewalt müssen erweitert werden. Das gilt insbesondere für Angebote, die im akuten Notfall auch online genutzt werden können.
  • Durch Öffentlichkeitsarbeit müssen noch mehr Menschen für das Thema sensibilisiert und ermutigt werden, Hilfe anzubieten.  
 

[1] Jutta Allmendinger: Die Frauen verlieren ihre Würde, ZEITOnline, Gastbeitrag vom 12. Mai 2020,  https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-05/familie-corona-krise-frauen-rollenverteilung-rueckentwicklung.

[2] Ebenda.

[3] Vgl. etwa Arbeitsmarktreport (Monatszahlen) der Agentur für Arbeit Berlin Nord, Juni 2020. 

[4] Josefine Koebe, Claire Samtleben, Annekatrin Schrenker und Aline Zucco: Systemrelevant, aber dennoch kaum anerkannt: Entlohnung unverzichtbarer Berufe in der Corona-Krise unterdurchschnittlich, DIW aktuell Nr. 48 vom 29. Juni 2020.

[5] Janina Steiner, Cara Ebert: Gewalt an Frauen und Kindern in Deutschland während COVID-19-bedingten Ausgangsbeschränkungen: Zusammenfassung der Ergebnisse, https://www.tum.de/nc/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/details/36053/.

 
 

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